Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:
Das Bezirksamt wird beauftragt, sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass die Entscheidung über die Schulfähigkeit ihres fünfjährigen Kindes zuerst den Eltern und erst in einem zweiten Schritt dem Schularzt überlassen wird. Die Möglichkeit, die Entscheidung über den Zeitpunkt der Einschulung ihres Kindes im gesetzlichen Zeitfenster selbst zu treffen, soll den Eltern offiziell noch vor der Untersuchung vom Schularzt bekannt gegeben werden.
Berlin, den 26.2.2013
Meißner
Begründung:
Mehr als sieben Jahre nach Beginn der Früheinschulung in Berlin gehen die Meinungen über den Erfolg und Misserfolg weit auseinander. Die „Erfinder“ haben bisher keine eigenen empirischen Forschungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen anderer wischen sie vom Tisch, mit dem Argument, bildungsferne Familien damit besser fördern zu können. Es bleibt festzuhalten, dass insbesondere die hohe Zahl von so genannten Verweilern, also Sitzenbleibern, in der zweiten Klasse darauf hinweist, dass viele Kinder mit den Anforderungen in der Schule überfordert sind. So sind im letzten Schuljahr in Berlin insgesamt rund 3800 Kinder nicht in die dritte Klasse gewechselt. Im Vergleich zum Schuljahr 2008/2009 sind es etwa 1000 Kinder mehr, die in der Schuleingangsphase verbleiben. Auch Hirnforscher sprechen sich gegen die Früheinschulung aus. Das Kurzzeitgedächtnis von Fünfjährigen sei dem Leistungsniveau in der ersten Klasse nicht gewachsen. Das könne dazu führen, dass sie frustriert und unruhig werden. Am Ende nimmt man den Kindern den Spaß am Lernen, was sie auf lange Sicht zu schlechteren Schülern machen kann.
Die Eltern haben kaum ein Mitspracherecht. Zwar ist ihnen die Möglichkeit gegeben, sich für eine Zurückstellung ihres Kindes stark zu machen. Viele kennen diese aber gar nicht. Das Verfahren ist zudem sehr aufwendig und oft daran gekoppelt, das Urteil des Arztes zu widerlegen, der die Schuleingangsuntersuchung durchführt.
Es ist notwendig, den Eltern die Urteilsfähigkeit zu unterstellen, ob ihr Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten den Anforderungen des Schulalltages gewachsen ist. Sie kennen das Kind in aller Regel am besten. Besser jedenfalls als ein Arzt, der nach einem 15minütigen Test über die Zukunft des Kindes entscheidet.